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SCUPA: Fernsteuerung von IP-Telefonen mit Office Communicator

von veröffentlicht am3. November 2009, 09:29 Uhr Kurzlink und Zitatlink einblenden
Kategorie Kategorie: Lync   Translate with Google Translate Translate EN   Die angezeigte Seite drucken

Wie im vorangegangen Beitrag angekündigt, stelle ich nun ein weiteres Lösungsbeispiel vor, welches sich die MS UCMA 2.0 (Unified Communications Managed API) zu Nutze macht.

Die Firma SINC, ein Microsoft-Gold-Partner, hat ein ambitioniertes Projekt unter Namen SCUPA gestartet. Das gleichnamige Add-On für den Office Communicator Client erlaubt es aktuell, auf IP-Telefonen der Berliner Firma Snom Anrufe zu initialisieren.

(Ein Hinweis: die Telefone der Firma Snom zählen aktuell nicht zu den für OCS zertifizierten Endgeräten. Dennoch sind sie OCS kompatibel. Informieren Sie sich bitte genau über diese Produkte.)

Eine ähnliche Fernbedienungs-Funktion bot auch bereits der klassische Remote-Call-Control-Ansatz, wie er etwa durch ein Gateway für TAPI / uaCSTA / TR 87/ RCC der Firma ESTOS unterstützt wird. Mit SCUPA wird diese aufwendige Thirdparty-Control-Infrastruktur überflüssig und die Bereitstellung einfacher.

Ich hatte das Glück, die aktuelle SCUPA-Version 1.0.5.0 bereits vor der öffentlichen Verfügbarkeit testen zu dürfen. Vorweg sei darauf hingewiesen, dass es sich aktuell noch um einen Proof of Concept handelt und man sich daher kein verfrühtes Urteil bilden sollte! Das SCUPA-Team ist sich sehr bewusst, dass noch viel Raum für Verbesserungen besteht, insbesondere im Sinne der Sicherheit. Aus meiner Sicht haben sie bereits mit dem aktuellen Stand ein beinah nahtlos integriertes Communicator-Add-On geschaffen, das sicher seine Interessenten finden wird. Glückwunsch, SINC!

SCUPA in Aktion

Das Add-On wird als MSI bereitgestellt, daher gestalten sich die Installation und auch ein automatisiertes Roll-out unproblematisch. 🙂

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Sobald installiert, kann man im Communicator eine neue Extra-Option auswählen – die SCUPA-Konfiguration:

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Hier gibt man einfach die IP-Adresse des zu steuernden Snom-Telefons ein (bitte die des eigenen ;-)):

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Wie, keine Authentifizierung gegenüber dem Telefon? Ja! Bitte nicht vergessen – es ist aktuell ein Proof of Concept. Daher ist es auch notwendig, auf dem Snom-Telefon das Konto und Passwort für den Webserver-Nutzer zu löschen. Dazu greift man auf den Webserver des Telefons via Browser zu und entfernt unter Einrichtung, Erweitert, QoS/Sicherheit im Bereich HTTP Server den Nutzernamen und das Passwort:

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Zusätzlich kann man noch die Sicherheitswarnung unterdrücken, die sonst permanent im Display des Telefons und im Webinterface erscheint:

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Zum Abschluss sollte man am unteren Ende die Option Speichern nicht vergessen, um die Änderungen zu übernehmen. Danach flugs zurück zum Communicator und eine Nummer eingeben:

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Sobald man die normalisierte Nummer markiert, erreicht man über einen Rechtsklick den neuen Menüpunkt „Via IP-Telefon anrufen“. Für eine halbe Sekunde sieht man kurz ein Call Dialog Fenster aufblicken wie dieses:

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Vermutlich kann das in einer zukünftigen Version noch unterdrückt werden. Aktuell ignoriert man es einfach!

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Das gleich danach folgende Side-Menü ist im Grunde selbsterklärend. Natürlich bietet es mehr Wähloptionen, sobald man einen vertrauteren Kontakt zuvor ausgewählt hat:

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Für dieses Remote-Control-Szenario ist die aktuelle SCUPA-Version ein wirklich gelungener erster Schritt. In der Kombination mit einem Snom-Telefon, das die OCS Edition Firmware verwendet, wird selbstverständlich auch die Statusänderung zu „Am Telefon“ vorgenommen und das Presence-Modell damit sogar geräteübergreifend konsistent gehalten. Falls noch nicht bekannt, hier ein Screenshot aus einem Snom 820, welches nun auch die Presence-Informationen klar in der Kontaktliste abzubilden vermag:

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(100% WYSIWYG – Hierbei handelt es sich exakt um die Live-Darstellung auf dem Telefon – ohne Photoshop-Tuning ;-))

Und JA!, 🙂 falls erwünscht, ist es auch möglich mit SCUPA Snom-Telefone anzusteuern, die nicht über die OCS-Firmware verfügen und bspw. zu einem SIP-Provider oder eine IP-Telefonanlage verbunden sind. (Soweit mir bekannt ist das Snom M3 – DECT2SIP hier die einzige Ausnahme).

Limits

Leider kann man aktuell keine Anrufe aus Outlook oder Sharepoint via SCUPA tätigen, da dies umgehend zu einem sogenannten Enterprise Voice Call mit Communicator führt (vgl. Screenshot aus der Outlook 2010 Beta, gleiches Verhalten tritt auch bei Sharepoint oder früheren Outlook Versionen auf):

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Dies gilt auch für sogenannte TEL:URI‘s L , wie bspw: TEL:+4930123456789 – das Verhalten lässt sich mit der aktuellen SCUPA Version nicht unterbrechen.

Glücklicherweise gibt es eine Roadmap für eine erweiterte Version von SCUPA, die speziell für die Snom OCS Edition Nutzer sehr vielversprechend aussieht:

  1. Gesicherte Remote Call Control durch HTTPS- statt http-Zugriffe, unter Einsatz von Unternehmenszertifikaten auf den Telefonen.
  2. Sichere Übergabe und Änderung der OCS-Passwort- und Nutzerinformationen zum Snom, aus der SCUPA Konfiguration heraus – also ohne den bisher notwendigen direkten Nutzer-Zugriff auf den Snom-Webserver.
  3. noch mehr Steuerungsmöglichkeiten und Interoperabilität zwischen Snom und SCUPA.

Aktuell ist all dies jedoch noch Zukunftsmusik und ihr Feedback an das SCUPA Team ist gefragt und sehr willkommen!

Bei Interesse kontaktieren Sie bitte den SCUPA Teamleiter Jan.Dierich ( @ ) sinc.de , natürlich auch gern via OCS Federation!

Ich wünsche allen Interessenten ein ebenso gutes Test-Erlebnis mit dem Proof of Concept, wie ich es bisher hatte. (btw: unter Win7 x64 & x32 kann es aktuell noch Probleme geben – ich hab einige SCUPA-Abstürze gehabt). Die von mir getestete Version wird im Laufe dieser Woche auf der Projektseite öffentlich verfügbar, oder vielleicht bereits ein verbesserte in Hinblick auf Windows 7 x64.

Fazit

Dieser erste „Wurf“ des SCUPA-Teams zeigt an einem praktischen Beispiel sehr anschaulich, welches Potential in der UCMA 2.0 (Unified Communications Managed API) auf Entdeckung und Freisetzung wartet. Firmen wie SINC, die bereits heute in die Entwicklung von UC-Applikationen Zeit, Energie und letztendlich Geld investieren, werden als erste in der Lage sein, maßgeschneiderte Lösungen für die zunehmende Zahl von UC-aktivierten Unternehmen anzubieten. Die zukünftige Größenordnung dieses noch im „UC-Urschleim“ 🙂 befindlichen Software-Geschäfts ist nicht einschätzbar und gerade durch die potentielle Vielfalt enorm spannend.

Der abschließende Part dieser UCMA 2.0 bezogenen Reihe wird einen Überblick bieten woher sich diese potentielle Vielfalt begründet und was mit ein wenig Fantasie heute schon realisierbar ist.

Über den Autor:

Jan Boguslawski ist Consultant bei der ITaCS GmbH. Als Spezialist für die Microsofts Unified Communications und Messaging Lösungen liegt sein technischer Focus auf Office Communications Server & Exchange Server, inklusive deren Integration in Telekommunikationssysteme.

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